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title: Brauchen Unternehmen überhaupt eine KI-Strategie
description: Braucht Ihr Unternehmen eine KI-Strategie? Nein, eine Geschäftsstrategie, die KI einplant. Fünf Fragen für den Strategiecheck und ein Operating Model.
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# Brauchen Unternehmen überhaupt eine KI-Strategie

![Dirk Frauenhoff](https://blog.mobilistics.de/hs-fs/hubfs/blog-autorenprofile/5D2_1411.jpg?width=36&height=36&name=5D2_1411.jpg) Dirk Frauenhoff 

·  29.09.2026 ·  7 Min. Lesezeit

Unternehmen brauchen keine separate Geschäftsstrategie für KI. Sie brauchen eine Geschäftsstrategie, die den Einsatz von KI konkret einplant, und eine unternehmensweite Umsetzungsagenda, die daraus Prioritäten, Verantwortlichkeiten und Fähigkeiten ableitet.

## Die falsche Frage führt zur falschen Strategie

Die Frage, ob ein Unternehmen eine KI-Strategie benötigt, klingt zunächst eindeutig. In der Praxis werden darunter jedoch sehr unterschiedliche Dinge verstanden: eine Liste von Anwendungsfällen, ein paar umgesetzte Use Case, eine Technologie-Roadmap, Regeln für den Einsatz generativer KI oder ein Investitionsprogramm für Daten und Plattformen. All dies kann notwendig sein. Eine Strategie entsteht daraus jedoch noch nicht.

Eine Strategie beantwortet die Fragen, in welchen Märkten und Kundensegmenten ein Unternehmen erfolgreich sein will, wodurch es sich unterscheidet und wie es seine knappen Ressourcen einsetzt. KI verändert die Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen. Sie kann Produkte erweitern, Entscheidungen beschleunigen, Kostenstrukturen verändern und ganze Prozessketten neu ordnen. Die Richtung des KI-Einsatzes darf daher nicht von der Technologie bestimmt werden. Sie muss aus den geschäftlichen Prioritäten folgen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Unternehmen auf eine eigenständige Steuerung verzichten können. Zwischen Geschäftsstrategie und einzelnen Projekten braucht es eine KI-Umsetzungsagenda. Sie übersetzt die strategischen Ziele in priorisierte Veränderungsfelder und schafft gemeinsame Voraussetzungen für eine sichere und wirtschaftliche Skalierung.

## Nutzung ist noch keine Geschäftswirkung

Aktuelle Unternehmensbefragungen zeigen, warum diese Übersetzung entscheidend ist. In der McKinsey-Erhebung von 2026 geben fast neun von zehn Befragten an, dass ihre Organisation KI regelmäßig in mindestens einer Geschäftsfunktion einsetzt. 44 Prozent berichten, KI bereits unternehmensweit zu skalieren. Einen positiven Beitrag zum EBIT schreiben der Technologie jedoch nur 37 Prozent zu. Lediglich rund 6 Prozent gelten in der Studie als KI-Hochleister: Sie führen mindestens 5 Prozent ihres EBIT auf KI zurück und bewerten deren Wertbeitrag als signifikant.

Der Unterschied liegt weniger in einzelnen Werkzeugen als in der Art der Umsetzung. KI-Hochleister gestalten Arbeitsabläufe häufiger grundlegend neu, verfolgen neben Effizienz auch Wachstum und Innovation und messen die Wirkung ihrer Initiativen systematischer. Deloitte kommt 2026 zu einem ähnlichen Ergebnis: 66 Prozent der befragten Organisationen berichten von Produktivitäts- und Effizienzgewinnen, aber nur 20 Prozent von zusätzlichem Umsatz. Ein gutes Drittel nutzt KI weiterhin oberflächlich, ohne bestehende Prozesse wesentlich zu verändern.

Hinzu kommt eine Umsetzungslücke in der Organisation. Laut der IBM CEO Study 2026 nutzen nur 25 Prozent der Beschäftigten KI regelmäßig bei ihrer Arbeit, obwohl 86 Prozent der befragten CEOs überzeugt sind, dass ihre Beschäftigten über die nötigen Fähigkeiten zur Zusammenarbeit mit KI verfügen. 83 Prozent der CEOs halten die Akzeptanz durch die Beschäftigten für wichtiger für den Erfolg als die Technologie selbst. Der Aufbau von Plattformen allein schließt diese Lücke daher nicht. Prozesse, Rollen, Kompetenzen und Anreize müssen sich gemeinsam verändern.

## Drei Ebenen statt einer parallelen KI-Strategie

Eine klare Trennung der Ebenen verhindert, dass Geschäftsziele, Umsetzung und technische Grundlagen in einem einzigen Strategiepapier vermischt werden.

| Ebene | Leitfrage | Ergebnis |
| --- | --- | --- |
| Geschäftsstrategie | Welche Ziele und Positionen sollen erreicht werden | Prioritäten für Wachstum, Marge, Produktivität, Kundennutzen und Risiko |
| KI-Umsetzungsagenda | Wo und wie verändert KI das Geschäft | Priorisierte Domänen, Business Cases, Roadmap, Verantwortlichkeiten und Operating Model |
| Technologie- und Datenstrategie | Welche technischen Grundlagen ermöglichen eine sichere Skalierung | Architektur, Plattformen, Daten, Datenprodukte, Integration, Sicherheit und Lebenszyklusmanagement |

Governance wirkt quer zu allen drei Ebenen. Sie definiert Entscheidungsrechte, Risikogrenzen, risikoadäquate Kontrollen und erforderliche Nachweise. Sie sollte in die bestehende Unternehmenssteuerung integriert werden und keine isolierte Nebenorganisation bilden.

## Fünf Fragen für den Strategiecheck

### 1. Geschäftsziele und Wettbewerbsposition klären

Der Ausgangspunkt ist kein KI-Modell und kein Anwendungsfall, sondern ein geschäftliches Ziel. Soll KI dazu beitragen, den Umsatz zu steigern, Margen zu verbessern, Durchlaufzeiten zu verkürzen, Risiken zu senken oder neue Leistungen zu ermöglichen? Die Antwort muss konkret genug sein, um Prioritäten und Investitionen gegeneinander abzuwägen. Ein allgemeines Ziel wie Effizienzsteigerung reicht dafür nicht aus. Es braucht eine messbare Veränderung in einem klar benannten Geschäftsfeld.

Ebenso wichtig ist die Wettbewerbsfrage. Manche KI-Fähigkeiten werden zum Standard, den Kunden und Beschäftigte voraussetzen. Andere können eine echte Differenzierung schaffen, etwa durch bessere Entscheidungen, höhere Geschwindigkeit oder ein überlegenes Kundenerlebnis. Beide Kategorien können Investitionen rechtfertigen, jedoch aus unterschiedlichen Gründen.

### 2. Produkte und Prozesse mit KI neu gestalten

Viele Initiativen integrieren KI in einen bestehenden Arbeitsschritt und messen anschließend die eingesparte Zeit. Das kann lokal sinnvoll sein, verändert aber nicht automatisch das wirtschaftliche Ergebnis. Wirkung entsteht häufig erst, wenn ein End-to-End-Prozess neu gedacht wird: Welche Schritte entfallen? Welche Entscheidungen lassen sich vorbereiten oder automatisieren? Wo bleibt menschliches Urteil unverzichtbar? Und wie verändert sich die Übergabe zwischen Funktionen?

Diese Perspektive verhindert, dass Unternehmen viele kleine Produktivitätsgewinne erzielen, ohne Kapazitäten tatsächlich freizusetzen, Umsatz zu erhöhen oder den Kundenservice messbar zu verbessern. Sie macht außerdem sichtbar, welche organisatorischen Abhängigkeiten vor der technischen Umsetzung gelöst werden müssen.

### 3. Verantwortlichkeiten eindeutig zuordnen

KI ist eine gemeinsame Führungsaufgabe. Gemeinsame Verantwortung darf jedoch nicht zu unklaren Zuständigkeiten führen. Der Fachbereich sollte den Prozess, den erwarteten Nutzen und die Realisierung des Business Case verantworten. IT und Datenorganisation tragen die Verantwortung für tragfähige Plattformen, Integration, Sicherheit und Betrieb. Die Bereiche Risiko, Datenschutz und Recht legen Kontrollen fest und begleiten Anwendungen entsprechend ihrer Kritikalität. Die Unternehmensleitung entscheidet über Prioritäten, Risikobereitschaft und Kapitalallokation.

Für jedes Vorhaben müssen ein geschäftlich verantwortlicher Sponsor, eine technische Verantwortung und ein klarer Entscheidungsweg benannt sein. Sonst bleibt der Nutzen eine Erwartung der IT, während der Fachbereich nach dem Piloten zum bisherigen Prozess zurückkehrt.

### 4. Gemeinsame Fähigkeiten für die Skalierung aufbauen

Einzelne Anwendungen lassen sich oft schnell entwickeln. Die Skalierung scheitert jedoch, wenn jedes Team eigene Datenzugriffe, Modelle, Sicherheitsprüfungen und Betriebsverfahren aufbaut. Deshalb benötigt die KI-Umsetzungsagenda einen gemeinsamen Kern aus wiederverwendbaren Fähigkeiten.

- Verlässliche Datenprodukte mit geklärter Qualität, Herkunft und Verantwortung
- Kontrollierte Schnittstellen zu Prozessen, Anwendungen und fachlichen Services
- Eine Architektur für Modelle, KI-Agenten, Identitäten, Berechtigungen und Protokollierung
- Vorgaben für Sicherheit, Datenschutz, Risiken von KI-Systemen sowie menschliche Aufsicht und Freigaben
- Kompetenzen für Produktmanagement, Prozessgestaltung, Datenarbeit und Veränderungsmanagement

Diese Grundlagen kosten Geld, bevor ihr Nutzen einem einzelnen Anwendungsfall vollständig zugerechnet werden kann. Sie sollten deshalb eine strategische Portfolioinvestition der Unternehmensleitung und keine rein technische Vorleistung der IT sein.

### 5. Investitionsentscheidungen an Kennzahlen ausrichten

Ein KI-Vorhaben braucht vor dem Start eine Ausgangsbasis und einen überprüfbaren Wirkungsmechanismus. Neben technischen Qualitätswerten zählen wirtschaftliche und operative Kennzahlen: Umsatzbeitrag, Kosten je Vorgang, Durchlaufzeit, Fehlerquote, Kundenzufriedenheit, Risikokosten oder tatsächlich frei gewordene Kapazität. Auch die vollständigen Betriebsaufwendungen gehören in die Rechnung, darunter Modellnutzung, Integration, Überwachung, Datenpflege und erforderliche Kontrollen.

Ebenso wichtig sind vorab festgelegte Entscheidungskriterien. Welche Evidenz rechtfertigt die Skalierung? Wann wird das Vorhaben angepasst? Unter welchen Bedingungen wird es beendet? Professionelles KI-Management zeigt sich nicht in der Zahl gestarteter Piloten, sondern in der Qualität dieser Investitionsentscheidungen.

## Ein mögliches Operating Model

Für viele Unternehmen ist ein föderiertes Operating Model sinnvoll. Ein kleines zentrales Team setzt Standards, betreibt gemeinsame Plattformfähigkeiten und steuert das Portfolio. Die Fachbereiche entwickeln Lösungen in ihren Domänen und tragen die Verantwortung für Prozess, Fachlichkeit der Daten und Nutzen. Interdisziplinäre Teams verbinden Fachwissen, Technologie, Daten, Sicherheit und Veränderungsmanagement.

Entscheidend ist weniger die Bezeichnung der Gremien als die Verbindung dreier Entscheidungen: Welche geschäftlichen Veränderungen haben Vorrang? Welche gemeinsamen Fähigkeiten werden zentral aufgebaut? Und welche Risiken dürfen unter welchen Kontrollen eingegangen werden? Wenn diese Fragen in getrennten Kreisen beantwortet werden, entstehen Verzögerungen, Doppelarbeit und widersprüchliche Prioritäten.

## Fazit

Unternehmen brauchen keine von der Geschäftsstrategie losgelöste KI-Strategie. Sie benötigen eine klare Position dazu, wie KI ihre Geschäftsziele, ihre Wettbewerbsfähigkeit und ihre Arbeitsweise verändert. Daraus muss eine eigene Umsetzungsagenda entstehen, die Fachbereiche, IT und Datenorganisation gemeinsam verantworten.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob eine KI-Strategie vorhanden ist. Entscheidend ist, welche Ziele der Geschäftsstrategie ohne den gezielten Einsatz von KI künftig nicht oder nur schwer erreichbar sind und welche Entscheidungen das Unternehmen heute treffen muss, um messbare Geschäftswirkung zu erzielen.

### Quellen und weiterführende Studien

- [McKinsey & Company (25. August 2026): The state of AI in 2026: On the road to ROI](https://www.mckinsey.com/capabilities/quantumblack/our-insights/the-state-of-ai)
- [Deloitte (2026): The State of AI in the Enterprise](https://www.deloitte.com/us/en/what-we-do/capabilities/applied-artificial-intelligence/content/state-of-ai-in-the-enterprise.html)
- [IBM Institute for Business Value (4. Mai 2026): IBM Study: CEOs are Reshaping C-suite Roles for the AI Era](https://newsroom.ibm.com/2026-05-04-ibm-study-ceos-are-reshaping-c-suite-roles-for-the-ai-era)
- [Europäische Kommission: AI Act - Regulatory Framework for Artificial Intelligence](https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/regulatory-framework-ai)

*Stand der Quellen: 21. September 2026*

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