Kritisch sind die Dokumente, in denen Identität zur Form gehört: Mandantenbriefe und Schriftsätze, Angebote, Gesprächsnotizen, Bewerbungsunterlagen, Behandlungsnotizen und Verträge. In allen sechs steht der Name an mehreren festen Stellen gleichzeitig, im Briefkopf, im Betreff, in der Kopfzeile und in der Signatur. Wer so ein Dokument markiert und in ein KI-Tool kopiert, schickt beides ab: die Aufgabe und die Person.
Freitagnachmittag, der Schriftsatz soll noch raus, und du willst eigentlich nur wissen, ob die Fristenkette schlüssig ist. Markiert ist das Dokument in einer Sekunde, und im Prompt landet damit auch alles, was für diese eine Frage keine Rolle spielt.
Ein Sprachmodell braucht den Fall. Es braucht die Aufgabe und die Zahlen, mit denen du arbeitest, und daraus wird dann eine Zusammenfassung oder ein glatterer Absatz. Was es dafür nicht braucht, ist die Identität der Person, um die es geht, also Name, Anschrift, Kontaktdaten, Aktenzeichen, Mandantennummer oder Versicherungsnummer. Das Aktenzeichen macht die Zusammenfassung nicht besser. Mitgeschickt wird es trotzdem.
Prüfen lässt sich das mit einer einzigen Frage pro Angabe: Ändert sie die Antwort? Ob im Betreff „Kündigung zum 30.09." steht oder „Kündigung Mandat 4711, Weber", ändert an der Fristenprüfung nichts. Die zweite Fassung gibt nur mehr preis.
Der Briefkopf braucht die Anschrift, sonst kommt der Brief nicht an. Das Aktenzeichen steht auf jeder Seite, damit man auch ein einzelnes Blatt noch zuordnen kann, und Betreff und Signatur sind aus demselben Grund da: Wer das Dokument in der Hand hat, soll wissen, worum es geht und wen er zurückrufen kann. Jede dieser Stellen ist also gut begründet, nur eben nicht mit Blick auf KI.
Beim Kopieren fällt das nicht auf, weil du auf den Hauptteil schaust. Markiert wird trotzdem das ganze Dokument, und damit geht die Identität an vier Stellen gleichzeitig mit.
Die folgenden sechs Typen zeigen das Muster am deutlichsten.
Ein Schriftsatz benennt die Parteien vollständig, ein Mandantenbrief enthält die Postanschrift, und Aktenzeichen sowie Mandantennummer wiederholen sich über alle Seiten. Für die Aufgabe reicht der Fall, egal ob du die Argumentation prüfen, eine Frist zusammenfassen oder eine Passage glätten willst. Anwälte und Steuerberater haben damit Fall und Person in derselben Datei, und beides verlässt sie mit demselben Tastendruck.
Angebote verknüpfen den Kundennamen mit den Konditionen, und die Konditionen sind der Teil, an dem das Modell arbeiten soll. Projektbeschreibungen gehen weiter und nennen die Branche, die Ansprechpersonen auf mehreren Ebenen und manchmal die internen Entscheidungswege beim Kunden. Für eine sprachliche Überarbeitung ist der Kundenname schlicht Beiwerk.
HR-Gespräche, Beratungstermine und Führungskreissitzungen sind meist gleich aufgebaut: oben die Teilnehmenden und das Datum, darunter Inhalt und Einschätzungen, dazwischen gelegentlich eine Gehaltsangabe. Nützlich für die KI ist der untere Teil, weil daraus Aufgaben, Entscheidungen und offene Punkte werden. Die Namensliste oben bleibt dabei unbenutzt.
Hier ist die Person der Inhalt und nicht der Rahmen, entsprechend ist praktisch jede Zeile personenbezogen. Für einen Abgleich mit dem Anforderungsprofil oder für die Vorbereitung von Rückfragen genügt dem Modell die Qualifikation, und statt des Namens genügt ein Platzhalter.
Eine Behandlungsnotiz enthält Patientenname, Geburtsdatum, Versicherungsnummer, Diagnose und Behandlungsplan. Hier ist die Trennung schwieriger als bei den anderen fünf Typen: Maskiert werden Name, Geburtsdatum und Versicherungsnummer, der medizinische Inhalt bleibt im Prompt, weil ohne ihn kein Arztbrief entsteht und keine Anamnese zusammengefasst wird. Ärzte und Therapeuten entscheiden also weiterhin selbst, welche Inhalte sie einem Modell überhaupt vorlegen. Das nimmt ihnen kein Werkzeug ab, auch unseres nicht.
Verträge nennen die Vertragsparteien, weil ein Vertrag ohne sie keiner ist, und definieren darüber Rollen, Pflichten, Laufzeiten und Konditionen. Bei einer Frage zur Vertragslogik zählt genau diese Logik. Auf „Was passiert bei einer Kündigung im laufenden Quartal?" antwortet das Modell mit oder ohne Firmennamen identisch.
Kontext ist das, womit das Modell arbeitet: der Fall, die Aufgabe, die Struktur, die Zahlen, die Argumentation und der Prozess. Identität ist das, was die Aufgabe nicht braucht: Namen, Adressen, Kontaktdaten, Aktenzeichen, Mandanten- und Versicherungsnummern.
Berufsdokumente enthalten beides gleichzeitig, und die Grenze verläuft nicht entlang der Überschriften. Ein Mandantenbrief hat einen identitätslastigen Kopf und einen kontextlastigen Hauptteil, ein Angebot mischt beides mitten in der Leistungsbeschreibung, und eine Gesprächsnotiz beginnt bei den Personen und wird erst im Verlauf inhaltlich. Deshalb läuft der Test Satz für Satz und nicht nur über den Briefkopf.
Beim ersten Dokument klappt es, da hast du auch Zeit dafür. Der Test ist nicht schwer, er ist nur nie fertig: Er läuft bei jedem neuen Prompt, bei jedem Nachfassen im selben Chat und bei der Anlage, die du zwanzig Minuten später noch dazuwirfst. Und mal ehrlich, wer kontrolliert beim vierten Dokument am Tag noch die Kopfzeile von Seite sechs?
Uns war irgendwann klar, dass eine Regel, die bei jeder einzelnen Eingabe neu greifen muss, im Berufsalltag keine Regel ist, sondern eine zweite Aufgabe. Praktikabel wird die Trennung erst, wenn sie automatisch passiert, bevor der Prompt beim Modell ankommt.
Ein AI Privacy Layer sitzt zwischen dir und dem Sprachmodell. Er erkennt personenbezogene Daten in deinem Prompt und ersetzt sie durch Platzhalter, bevor der Text beim Modell ankommt. Das Modell arbeitet mit dem Kontext, antwortet mit den Platzhaltern, und der Privacy Layer setzt die echten Daten in der Antwort automatisch wieder ein. Du liest also eine vollständige Antwort, und die Identität war für das Modell zu keinem Zeitpunkt sichtbar.
vpchat ist so ein Privacy Layer. Die PII-Maskierung läuft serverseitig in unter 12 Millisekunden und erkennt 13 Kategorien personenbezogener Daten, und weil sie vor der Übergabe passiert, hängt der Schutz nicht am Modell: Du kannst mit Claude, ChatGPT oder Gemini arbeiten und tippst und liest dabei wie immer.
Die Maskierung selbst läuft in Deutschland, auf Infrastruktur, die cloudriven betreibt, und die Klardaten verlassen Deutschland nicht. Auf der Modellseite ist bei Claude, ChatGPT und Gemini ein US-Anbieter beteiligt, und der bekommt ausschließlich den maskierten Prompt. Ein Auftragsverarbeitungsvertrag regelt, wer deine Daten verarbeiten darf. Er verhindert nicht, dass das Modell sie sieht.
Eine Maskierung, die funktioniert, merkst du im Arbeitsalltag erstmal nicht, deshalb hat vpchat ein Privacy-Dashboard. Es schlüsselt die maskierten Angaben nach Typ und Anzahl auf, zeigt den Verlauf pro Tag und zählt die Chats, in denen mindestens einmal maskiert wurde.
Was dort nicht steht, ist der maskierte Wert selbst. Das Dashboard erfasst Typ und Häufigkeit, die Klardaten werden zu keinem Zeitpunkt geloggt oder gespeichert, und einsehen kann sie niemand, auch kein Administrator.
Die Dokumente bleiben dabei, wie sie sind. Briefkopf, Betreff und Aktenzeichen behalten ihren guten Grund, und niemand muss anfangen, Mandantenbriefe anders zu schreiben. Kontext und Identität gehen dann nur nicht mehr in deinem Kopf auseinander, sondern vor dem Modell. Strg+C und Strg+V darfst du behalten.